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Hohes Risiko bei zu wenig Abstand
Unfallforscher fordern intelligente Tempomaten und Notbremssysteme

Enges Auffahren, wildes Hupen und riskantes Ausbremsen – vor allem auf Autobahnen machen sich diese Arten der Nötigung breit. Wer so rowdyhaft unterwegs ist, sorgt nicht selten für Unfälle, wie entsprechende Statistiken untermauern. Solches Verhalten kann nämlich beim bedrängten Verkehrsteilnehmer Angst und Panik auslösen und mitunter sogar zu Unfällen mit tödlichen Folgen führen. .....von Eva-Maria Becker







Doch selbst der, der „nur“ den Sicherheitsabstand zum Vorausfahrenden nicht einhält, kann sehr schnell einen Unfall provozieren – einfach, weil der Bremsweg in einer plötzlichen Gefahrensituation nicht mehr ausreicht. Warum halten so viele Autofahrer nicht den richtigen Abstand ein, obwohl die Regel: „Abstand = halber Tacho“ relativ einfach ist? Viele Fahrer halten die vorgegebenen Abstände für deutlich zu lang und fahren weiter als erlaubt auf.

Zudem wird oft die Geschwindigkeit unterschätzt – vor allem vom „typischen Auffahrer“ – er ist nach Aussage der Statistiker und Verhaltensforscher ein männlicher Vielfahrer mittleren Alters, beruflich gut situiert, mit langjähriger Fahrpraxis. Er meint, genug Erfahrung und alles im Griff zu haben und jederzeit noch kommod hinter dem Vordermann zum Stehen zu kommen. Diese Einschätzung wird durch die tägliche Praxis und durch eine praxisnahe Demonstration der Unfallforschung der Versicherer (UDV) eindrucksvoll widerlegt.

Die Unfallforscher haben dabei in einem Reaktionstest – mit einem Stuntman, nicht etwa mit einem Dummy – nachhaltig demonstriert,  dass bei Tempo 100 selbst ein Profi hinter dem Steuer nicht mehr reagieren kann, wenn der Vordermann plötzlich bremst und der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wurde. Bei 15 Metern Abstand – ein Wert, der nach Aussagen der Experten auf deutschen Autobahnen gang und gäbe ist – krachten die Fahrzeuge im Versuch mit erheblicher Wucht aufeinander.

Allein im Jahr 2008 weist die Bundesstatistik rund 43 000 Unfälle mit Verletzten oder Getöteten aus, bei denen die Ursache ungenügender Sicherheitsabstand war. Das sind rund 13 Prozent aller Unfälle dieser Kategorie. Auf Autobahnen wurden sogar 29 Prozent aller Unfälle mit Getöteten durch Auffahren verursacht – wobei allerdings auch ein schlechtes Sehvermögen und Aufmerksamkeits-Defizite, nicht zuletzt durch Übermüdung, eine Rolle spielen.

Ein Blick in die Unfalldatenbank der Versicherer zeigt zudem, dass schwere und tödliche Verletzungen bei zwei fahrenden Fahrzeugen noch wahrscheinlicher sind als bei Auffahrunfällen, bei denen ein Fahrzeug schon steht. Außerdem steigt die Unfallschwere nochmals dramatisch an, wenn mehr als zwei Autos in das Geschehen verwickelt sind. Dann ist bei jedem dritten Unfall ein Schwerverletzter oder Getöteter zu erwarten.

Die UDV fordert deshalb nicht nur regelmäßige Abstandskontrollen und Sanktionen für Unbelehrbare, sondern auch intelligente Tempomaten in Kombination mit Notbremssystemen verbindlich in allen Fahrzeugen. Nachrüstbare Abstandswarnsysteme sollten verstärkt angeboten und ihr Einbau empfohlen werden. Zudem sollte mehr über Wahrnehmungsdefizite und Hilfsmittel informiert werden.
EMB

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