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Fahrbericht Jeep Grand Cherokee SRT 8 (US-Version)

Der Bulle von Detroit

Wer sagt denn, dass ein echter Jeep ins Gel?nde geh?rt? Der st?rkste Grand Cherokee ist ein Asphalt-Cowboy – er ist nicht f?r das weite Land abseits der Highways gedacht.

Vorsicht, das Geräusch macht süchtig: Was da aus den beiden dicken Auspuffrohren tönt wie eine Symphonie in Groll, das ist das große Plus des 6,1-Liter-Kraftwerks, damit fängt er den Fahrer mit dem ersten Tritt auf das silberne Gaspedal. Und der ist bereit, alle Zahlen zu glauben, die ihm der Hersteller zuschreibt: Die Bremsanlage soll den Koloss nach 37 Metern von 100 km/h aus zum Stehen bringen. Wenn’s brenzlig wird, sollte sich der Fahrer nicht drauf verlassen. Die Bremsen greifen zwar fest zu, aber unser Versuch ergab eine Strecke von ziemlich genau 40 Metern bis zum Stillstand. Umgekehrt soll der Cherokee SRT 8 seine 2,2 Tonnen Gewicht in fünf Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen. Das wäre ein Wert, den nicht mal der Porsche Cayenne Turbo S schafft. Dessen Achtzylinder {mosaddphp:catm.php}leistet 100 PS mehr und braucht laut Werksangabe 5,2 Sekunden, um das Dickschiff von Null auf 100 zu bringen. Subjektiv geht der SRT 8 allerdings wirklich rasch zur Sache: Mit schierer Wucht setzt sich der Jeep in Bewegung und presst den Fahrer mit 569 Newtonmetern in den Sitz.

Eine Symphonie in Groll

Die Power des SRT 8 kommt allein aus dem gigantischen Hubraum von 6,1 Litern. Mit modernen Triebwerken, mit Turboladern und solch zeitgenössischem Schnickschnack hat dieser Motor nichts zu tun. Im Kern geht er auf eine Entwicklung aus dem Jahre 1951 zurück. Damals entdeckten die Techniker bei Chrysler, dass sich mit hemisphärischen, also halbkreisförmigen Brennräumen, wesentlich mehr Leistung aus einem V8 kitzeln lässt – und bereits 1955 erreichte der Hemi die magische 300-PS-Grenze. Auch fünf Jahrzehnte später wirkt das Monster aus der Motoren-Urzeit noch so, als wäre es längst noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten angelangt. Jeder Gasstoß überzeugt den Fahrer, dass das Untier vor ihm noch schläft und dass mehr Potenzial in ihm schlummert, als ein Mensch bewältigen kann. Auf jeden Fall wird Chrysler den Hemi noch lange nicht auf das Altenteil schieben.
Selbst Ingolstädter S-Line-Modelle entkommen dem SRT 8 nicht einfach so, er hält spielend mit. Allerdings wird der schnelle Jeep von anderen Verkehrsteilnehmern auffällig oft unterschätzt. Kaum jemand traut dem dicken Ami eine solche Power zu, und die meisten Verkehrsteilnehmer denken, dass Größe bei diesem beeindruckenden Fahrzeug nur für die Abmessungen gilt. Schon das auch nicht kraftlose, aber doch 100 PS schwächere 5,7-Liter-Serienmodell wird oft genug nicht mit dem nötigen Respekt behandelt. Der SRT 8 hat eine höhere Verdichtung, 10,3:1 statt 9,6:1 stehen zu Buche. Ein verstärkter Kurbeltrieb, eine schärfere Nockenwelle und – natürlich – noch mehr Hubraum kommen leistungssteigernd dazu. Bilstein-Stoßdämpfer und ein für amerikanische Verhältnisse straff ausgelegtes Fahrwerk unterstreichen den sportlichen Charakter dieses Jeeps.

Der Jeep als Asphalt-Cowboy

Im SRT 8 ist vorausschauendes Fahren Piloten Pflicht: Denn kaum jemand weiß, was die Abkürzung „SRT“ bedeutet. Dies Buchstaben stehen für „Street and Racing Technology“ – und damit für die schnellsten Modelle von Chrysler. Speziell beim Cherokee bezeichnet „SRT“ aber auch eine Beschneidung seiner Möglichkeiten, denn dieser Jeep ist ein Asphalt-Cowboy. Für den Ritt durchs Gelände ist dieser Wagen nicht konzipiert, weshalb sein Getriebe von vornherein auf eine Geländereduktion verzichten muss. Eine Untersetzung ist auch nicht nötig, denn die Bodenfreiheit des SRT 8 ist mit 178 Millimetern vergleichsweise gering. Jeder Stein könnte zum Killer für Tuning-Teile wie Frontschürze oder Seitenschweller werden. Dazu steht der SRT auch noch auf schicken 20-Zoll-Alufelgen und die 255er- beziehungsweise 285er-Sportreifen würden im Gelände auch nicht genug Grip bieten. Also verzichtet der Fahrer freiwillig auf Schlamm und Matsch und nutzt den permanenten Allradantrieb, um höhere Kurvengeschwindigkeiten zu erzielen.

Der Motor: zuverlässig, haltbar und durstig

Der Chrysler-Sportsgeist setzt sich auch im Innenraum dieses Jeeps fort: Auf den Sitzen prangt nicht nur das SRT-Logo, sie geben auch entschieden mehr Seitenhalt als es die Sofas in den Serienmodellen tun. Dicke, unsportliche Menschen fahren andere Cherokees. Ansonsten dominiert da, wo beim Limited Holz für wohnliche Atmosphäre sorgt, billiges Plastik. Die Spaltmaße entsprechen nicht den europäischen Standards. Ein Blick auf die Lautsprecher verdeutlicht dies – aber wer will schon kleinlich sein? Der Fahrer schaut sowieso nur auf die Straße, verblüfft, wie schnell sich die anderen Autos im Rückspiegel auflösen. Sein Blick fällt höchstens mal auf das wunderschöne Tachometer, wo er die Meilenangaben glatt für Kilometer hält, weil der Motor entspannt mit tiefem Bariton vor sich hin brummelt. Subjektiv wirkt der hubraumstarke Hemi-Motor so, als sei er durch nichts auf der Welt zu erschüttern. Wahrscheinlich ist das auch so, denn die Maschine hat in langen Jahren längst schon bewiesen, dass sie zuverlässig und haltbar ist. Ihr einziges Laster ist der Durst und die Werksangaben sind von vorneherein mehr als beschönigend: 18,1 Liter im Stadtverkehr sind auch dann kaum möglich, wenn im Teillastbetrieb die Hälfte der Zylinder deaktiviert werden. Realistisch sind Durchschnittswerte um die 20 Liter – egal, wo und wie der Cherokee gefahren wird. Man muss dem SRT 8 allerdings Zeit geben, denn je länger er unterwegs ist, desto sparsamer ist er. Dann sind tatsächlich 18 Liter Super auf der Autobahn drin. Wer zum ersten Mal diesem Riesen sitzt und vom Bordcomputer mitgeteilt bekommt, dass die knapp 78 Liter Sprit im Tank nur 380 Kilometer weit reichen sollen, der erschrickt. Spätestens, wenn er dann losrollt und der Hemi seine Stimme betörend erhebt und aus dem dicken Bauch heraus zu singen anfängt, denkt der Fahrer, dass dafür 20 Liter doch ganz in Ordnung sind.

Dank:
Der Jeep Grand Cherokee SRT 8 wurde uns von Allrad Schmitt in Würzburg zur Verfügung gestellt. Adresse: Allrad Schmitt, Einsteinstraße 2, 97204 Würzburg, Tel. 0931/40 90 05. Web: www.allradschmitt.de

Text: Auto-Magazin24.de
Bild: DaimlerChrysler USA

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