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Fahrbericht Porsche Cayman S
Vorsicht: Bissig!

Porsches verkappte neue Baureihe oder doch nur ein Boxster mit festem Dach? Alles egal. Der Cayman S ist das ultimative Spaßmobil für Männer, die nicht erwachsen sein wollen. Wir haben damit gespielt.


Cayman? Cayman! Aber was ist ein Cayman? Der Kaiman, so viel vorne weg, gehört zur Familie der Krokodile, da aber eher zu den kleinen und wendigen Flitzern, die wieselflink, kräftig und aggressiv sind. Wobei die Stuttgarter Autobauer fabulieren, dass der Cayman – das Auto! – „als hoch spezialisierter Jäger gilt und sich durch Kraft und Agilität, durch Reflexstärke und Zielsicherheit auszeichnet.“ Dazu sei nur angemerkt: Als Porschefahrer bin meist ich der Gejagte und Reflexstärke sowie Zielsicherheit liegen wohl in meinen Fähigkeiten.

Erinnern Sie sich noch an die braven Rummelplatz-Autos, in die wir schon als Vierjährige einsteigen durften – und die doch nur an einer Schiene entlang in mäßigem Tempo durch diverse Kurven geführt wurden? Irgendwie wollte ich bereits damals, dass es etwas schneller vorangeht. Das Lenkrad hab’ ich fest genug dafür gekurbelt. Der Wunsch nach mehr Power und Geschwindigkeit verstärkte sich weiter, als ich zum ersten Mal engere Bekanntschaft mit Go-Karts schließen durfte. Da gab’s nichts außer mir, einem Motor und ein bisschen Gestänge ums Ganze herum. Und auf einem abgesicherten Rundkurs durfte ich auch noch, ohne gravierende Folgen zeitigen zu müssen, so richtig nett in die Gummistapel bolzen. Spätestens da lernt jeder halbwegs begabte Volantier, was Driften ist, was es heißt, die noch zu seltenen Drehmomentspitzen auszunutzen oder einen Gegner in den nächsten Reifenstapel zu schubsen.

Ein Go-Kart für die Straße {mosaddphp:casm.php}

Zugegeben, das ist lange her. Aber es dauert nun mal seine Zeit, bis man als angehender Autofreak verstanden hat, was Frontantrieb, Heckantrieb oder Allradantrieb so alles bedeuten können. Und wie sinnig einem plötzlich ein so simples Prinzip wie ein Mittelmotor vorkommt – und wie unverständlich gleichzeitig, dass nicht mehr Autos so gebaut werden. Mittelmotor heißt: Du startest – und der Motor heult direkt hinter dir auf. Da gibt es keine Notsitze mehr, die noch einen verschämten Abstand herstellen könnten. Da ist purer Klang, ein sonores V6-Grollen, das so viel Lust auf mehr macht. Mittelmotor heißt auch: eine wunderbar ausgewogene Gewichtsverteilung (der Motor ist schließlich vor der Hinterachse montiert) und damit eine phänomenale Straßenlage, die von dem einst heiß geliebten Go-Kart nicht mehr weit entfernt ist. Sofern man es nicht übertreibt. Und übertreiben heißt: Erst einmal den Sportknopf drücken (das ESP erlaubt dann einiges mehr als vorher) und dann noch die Grenzen, die die Physik nun mal setzt, überschreiten. Der Cayman S würde sich sofort als simpler Kreisel entpuppen, der durch fast nichts mehr zu stoppen ist. Wer nicht gerade in einer kilometerbreiten amerikanischen Salzwüste unterwegs ist, dem rate ich von diesbezüglichen Selbstversuchen dringend ab.

Aber dann, die Straße. 295 PS bewegen ganze 1400 Kilogramm, quasi ein Federgewicht. Und das wirkt sich aus. Die Autobahnauffahrt rauf, einbiegen, Gas geben. Was ich im Flugzeug beim Beschleunigen auf der Startbahn schon lange vermisse, ist im Cayman S wieder zu erleben: Plötzlich werde ich richtig in die Sitze gepresst, alle anderen Autos neben mir scheinen zu stehen. Das kleine Reptil schießt bissig nach vorn, will jeden Meter Asphalt fressen. Das aber ist längst nicht alles: Mindestens so schön wie der ungestüme Vorwärtsdrang ist die Klangkulisse, die sich hinter mir aufbaut, der Sound, der sich in den Vordergrund schiebt. Vier verschiedene Tonarten habe ich gezählt – ein heiseres Brüllen, ein Klang, so räudig wie der Bass einer Schülerband, ein lustvolles Aufjaulen und ein markiges Dröhnen unter Volllast, bei dem ich schon dachte, ich säße in einem Sportflugzeug. Damit wir uns nicht missverstehen: Bei aller Lust am Motorsound bleibt immer noch genug Hör-Platz für Musik. Mit einer Ausnahme: Ab Tempo 220 und mit Winterreifen ist Schluss mit dem Genuss.

Für die Lücke zwischen Boxster und 911

Rummelplatz-Autos, Go-Karts, Carrera-Rennbahn: Es ist auch ein bisschen so wie früher das Spielen mit dem Auto-Quartett: Mein Auto auf meiner Karte hat mehr PS, hat mehr Kubik und es fährt schneller – deswegen sticht meine Karte und ich bekomme deine... Der einzige Unterschied zu früher ist, dass die Autos sich jetzt nicht mehr auf einer Spielkarte befinden, sondern ganz real vor meiner Tür stehen. So wie der Cayman S eben – und der wäre in diesem Spiel ein echtes Ass.

Dass der Cayman S zwischen dem eher verspielten Boxster und dem ausgereiften 911er den wilden Hund gibt, dass er Platz für mehr als zwei Golfbags hat – geschenkt. Hier zählt nur: reinsetzen, losfahren, Spaß haben. Das Einzige, was mir fehlt ist die Wasserspritzdüse für den Heckscheibenwischer. Das bisschen Gewichtersparnis kann nicht der Grund sein, dass Porsche darauf verzichtet hat. Außer bei richtigem Regen ist der hintere Scheibenwischer leider zu nichts zu gebrauchen – zu allen anderen Gelegenheiten zaubert er wunderbare Schmutzschlieren aufs Heckfenster. Aber aus dem Alter, in dem ich voller Lust diverse Scheiben und andere Dinge freiwillig mit Dreck verschmierte, bin ich nun wirklich raus. Das dürfen Sie mir ruhig auch glauben.

Ab 58.529,00 Euro beginnt der Spaß mit dem Sechsgang Getriebe, für die S-Tronic Automatik sind 61.104,20 Euro auf den Tisch zu legen.


Porsche Cayman S

Hubraum 3.386 cm3
Leistung 295 PS
Vmax 275 km/h
Beschleunigung (0 - 100 km/h) 5,4s

 

Technische Daten
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Gebrauchte Porsche Cayman bei::

 
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