Design statt Kletterkunst?
Mit dem Compass will die Offroad-Marke Jeep ins expandierende SUV-Segment eindringen – ein Bereich, in dem in aller Regel Design vor Kletterkünste gesetzt wird.
Die Marke Jeep steht vor einem Dilemma. Einerseits gr?ndet sich ihr Ruf auf der hohen Geländekompetenz begründet, anderseits sind diese Kunden nur einen kleiner Teil der potenziellen Käufer. Zwar konnte ein Grand Cherokee in den letzten 20 Jahren ziemlich viel verkaufen, aber da boomten Geländewagen und die Konkurrenz war auf wenige Modelle beschränkt. Inzwischen verlieren aber auch in den USA Modelle wie Explorer, Tahoe & Co. ihren Reiz für den durchschnittlichen Kunden, der Transportnutzen und gute Allroundfahreigenschaften (auch im Gelände) auch in kompakteren, verbrauchsgünstigeren und „politisch korrekten“, das heißt: sparsameren Minivans, Kombis oder SUV findet.
Modellvielfalt
So gehörte eigentlich nicht viel Vision zur Entscheidung, die starke Markenidentität mit einem zeitgemäßen Fahrzeugkonzept zu paaren und ein Jeep-SUV fürs breite Publikum auf die Räder zu stellen. Eigentlich sind es deren zwei, denn im Herbst folgt ein technisch identischer, aber konservativer bekleideter Jeep Patriot für weniger extrovertierte Kunden.
Könnten Jeep-Fans revoltieren? Die Firma versucht, die Hardcore-Offroader mit ihren Wrangler, Willys oder CJs zu besänftigen, indem sie eine zweigleisige Modellpolitik pflegt: Zum einen sind da sie so genannten „rugged“-Modelle, womit die härteren Autos wie eben der neue Wrangler, der Commander und der {mosaddphp:caof.php}
kommende Patriot gemeint sind. Zum anderen eben die zeitgemäßen SUV, zu denen eben der Grand Cherokee und nun auch der Compass zählen sollen. Den Unterschied macht die Tatsache, dass sich kein Familienmensch auf der Fahrt zwischen Hobbymarkt und Fußballspiel des Juniors daran stören wird, dass es sein praktischer, bequemer SUV wohl nie nach Katmandu schaffen wird.
Geschmack entscheidet
Am Ende dürfte es das Design sein, das potenzielle Kunden zum Händler führt – oder zu klassischer geformten Konkurrenten abwandern lässt. Die typische Jeep-Front des Compass mit geschickt in die Motorhaube übergehenden Scheinwerferausbuchtungen ist noch am wenigsten kontrovers. An die flache Windschutzscheibe, die ungewohnten Hecktürengriffe und besonders die eckigen Radausbuchtungen muss man sich gewöhnen.
Variabler Innenraum
Das flexible Interieur bietet viel Platz und gefällt mit Spezialitäten wie dem schmutz- und kratzresistenten Hartplastikboden im Gepäckraum, asymmetrisch klappbaren und in Neigung verstellbaren Heckbanklehnen, einem Beifahrersitz, dessen vorgeklappte Rückenlehne als Arbeitsfläche verwendet werden kann, oder den für Klanggenuss im Freien ausklappbaren Lautsprechern in der Heckklappe. Des Weiteren: eine herausnehmbare, stets geladene Taschenlampe im Dachhimmel über dem Gepäck und ein Halter für iPod oder Handy. Positiv fielen uns auch die vielen Ablagen auf und eine verstellbare Armlehne, die auch klein Gewachsenen passt. Die Armaturen sind übersichtlich, und der Innenraum gut von Wind- und mechanischen Geräuschen isoliert.
In Europa bietet Jeep nur die Versionen mit Allradantrieb an. Der optimistisch „Freedom Drive I“ getaufte Allradantrieb (erobern wir noch einmal den Wilden Westen?) leitet im Normalfall fast das gesamte Drehmoment den Vorderrädern zu. Die Elektronik kann bei Bedarf bis zu 60 Prozent der Kraft auf die Hinterräder übertragen. Per separaten t-förmigen Hebel lässt sich auf Schnee oder Schlamm das Zentraldifferenzial bei 50:50 sperren. Auch sonst ist die Sicherheitsausstattung komplett: ESP, Bremsassistent, ABS für die vier Bremsscheiben, TCS und Überrollverhinderer sind serienmäßig zur Stelle.
Komfort und sichere Fahreigenschaften profitieren von der Einzelradaufhängung und der ausgewogenen Gewichtsverteilung (56:44), während dank 17- bzw. 18-Zoll-Rädern und geschickter Abstimmung auch forscheres Kurvenfahren nicht ausgeschlossen bleibt. In Europa stehen ab dem kommenden Herbst ein 2,4-Liter-Vierzylinder-Benziner und im Frühjahr 2007 ein 2-Liter-Diesel (140 PS, 310 Nm) zur Wahl. 5-Gang-Schaltgetriebe und ein CVT-Automat von Jatco sind die Getriebeoptionen, beim Diesel sind manuell sechs Gänge zu sortieren.
Fahreindr?cke mit Hindernissen
Auf Schwedens Strassen, die ja vom Tempo her streng limitiert sind, dazu von den schwedischen Autofahrern, die mehr zu einer Fahrweise tendieren, die das sanfte Cruisen als Ziel hat, ist es wirklich schwer, fahrdynamische Bestwerte zu erzielen. Der Motor in seiner Dieselvariante als 2,0-Liter-Pumpe-D?se, hat ja schon in den verschiedenen Modellen des VW-Konzerns seine Lorbeeren als zwar etwas raubeiniger, aber doch kraftvoller Vorw?rtstreiber erhalten. Auch im Jeep benimmt er sich nicht anders. Die Fahrleistungen im Gel?nde dagegen konnten wir doch ausloten und waren davon ziemlich angetan. Ein Jeep Wrangler wird daf?r ja nur ein m?des L?cheln ?rig haben und dezent auf seine Rubikon-Erfahrungen verweisen ? aber da, wo die meisten hinwollen, wenn sie ihr Auto mal abseits der Asphaltpisten bewegen, bringt sie der Compass locker hin ? wie der Videoclip beweist.
Text und Bild: Automagazin24.de
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