Fahrbericht
Der Disco bietet vom vornehm eleganten Boulevardkreuzer bis zum Geländerüpel, vom bequemen mit allerlei Annehmlichkeiten ausgestatteten Siebensitzer bis zum Lastesel alle Variationen an.
Angetrieben wird der Disco vom bekannten V6 Biturbo Commonraildiesel, der hier allerdings zugunsten eines besseren Drehmomentverlaufs mit bis zu 440 Nm, auf 190 PS reduziert wird, dennoch genug um die Fuhre mit einem Leergewicht von über 2,5 Tonnen auf 180 Km/h zu treiben. Denn obligatorischen Sprint von 0 auf 100 Km/h erledigt er in der Automatikversion in 12,6 Sekunden. Der durch seine drei Glasdächer mit Sonnenschutzrollo , das vordere ist zugleich als Hub-Schiebedach ausgeführt, sehr helle Innenraum überrascht mit exklusivem und noblem Ambiente. Weit weg von der Rustikalität vergangener Modelle. Feines Leder umspannt die ausgezeichneten Sitze, beide Vordersitze sind elektrisch einstellbar und wirklich „saubequem“. Die Seitenführung ist da, aber weder aufdringlich noch einengend. Auch sonst sorgt der Disco für Freude fürs Auge und die tastenden Finger. Die Bedienung ist klar und übersichtlich, Instrumente sind gut ablesbar. Reichlich Ablagen und eine kühlbare Mittelarmbox halten die Getränkesituation an Bord sehr gut am Laufen. Der Zugang zum Disco wird durch die bei Luftfederung mögliche Absenkung auf das Einstiegsniveau erheblich leichter.
Etwas daneben sind die Schlösser für die Gurte auf der Rückbank. Sie verschwinden in einer Vertiefung. Dies ermöglicht zwar ein bequemes „durchrutschen“ auf den mittleren Sitz, holt man aber die Gurtschlösser hervor, schnappen diese beim Loslassen wieder zurück. Dies führ dazu, dass so manche Mutter beim Verstauen der Sprösslinge im Kindersitz denselben in blumenreicher Sprache die Tücken der Technik zu Gehör bringt. Sollte man eventuell mal drüber nachdenken, hier eine Position hinzuzufügen die ein Festhalten des Schlosses erübrigt.
Sonst aber gab der Disco wenig Anlass zur Kritik. Er fährt sich leicht und easy, eher wie eine Limousine als wie ein Geländewagen. Dank der weit vorne angeordneten Vorderräder lenkt der Disco willig und behände ein, folgt dann unbeirrbar seinem Kurs. Das Luftfederfahrwerk schluckt gut die Unbilden der Straße weg, ohne dabei schwammig zu wirken.
Die Sechstufenautomatik harmoniert gut mit dem V6 Diesel, im „Drive“ Modus legt sie allerdings gerne mal eine Denkpause ein, bevor der richtige Gang sortiert ist. Dies ist im „Sport“ Modus deutlich besser, im manuellen Modus geht’s aber recht zackig durch die Gänge und die werden seidenweich eingelegt.
Ein Kofferraum der Koffer schon als Beleidigung empfinden muss ist der krönende Heckabschluß, hier kann sich so mancher Van getrost verstecken. Will man allerdings 7 Personen transportieren, sollten diese dann sehr wenig Gepäck mitbringen. Das Aufrichten und Versenken der zwei Einzelsitze in der dritten Reihe geht einfach und ohne große Kraftanstrengung. Klappt man die zweite Reihe um ist man auch größeren Speditionsaufgaben gewachsen. Wenn das nicht reicht ist ja auch noch die Möglichkeit da, einen Anhänger mit bis zu 3,5 Tonnen anzuhängen.
Die unter dem edlen Blechkleid verborgene wahre Stärke des Disco liegt aber abseits der Asphaltboulevards. Ein Dreh am Knopf der „Terrain Response Systems“ und schon hat der Landrover die für die jeweiligen Zustände des Geländes passende Einstellung parat und wühlt sich da über steile An- und Abstiege, watet durch 50 cm hohes Wasser und kraxelt über felsigen Grund. Man muss hier lange suchen um Gleichwertiges zu finden,
Bleibt noch die Preisfrage. Der Discovery3 TDV6 HSE schlägt mit über 54.000 Euro zu Buche, ein stolzer Preis für ein allerdings auch stolzes Auto, das diesen Preis auch wert erscheint.
HJE/ Automagazin24.de