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Fahrbericht: Jaguar XF 2.7 d
Merkblatt

Ein Jaguar ist teuer und ein Fahrzeug  für Reiche, oder er verbreitet zu mindestens diesen Eindruck. So oder so ähnlich geistern die Jaguar Limousinen und Sportwagen der Marke durch die Vorurteilslisten der Automobilinteressenten.  Hier ist es wie bei den meisten Vorurteilen – sie sind falsch!! Ein Jaguar ist anfällig und schlampig verarbeitet – wieder falsch! Es ist an der Zeit, da mal aufzuräumen.







Fahrbericht

Ein optimaler Anlass dazu ist der neue XF, der Nachfolger des S-Type. Er gibt sich nicht gleich auf Anhieb als Jaguar zu erkennen.  Hier muss  man schon genauer hinsehen, um dann auf den zweiten Blick zu erkennen, aha, ein Jaguar.
Die Front gibt ihr Geheimnis, bei genauerer Betrachtung des Wabengrills mit dem neuen Logo preis, die Scheinwerfer sind zwar auch noch dem Vieraugengesicht nachempfunden, verstecken sich nun aber  unter einer Glasabdeckung . Die coupéartige  Dachlinie erweist sichauch nicht gerade als ein Identifizierungsmerkmal einer Jaguar Limousine, wirkt aber recht gefällig. Die seitlichen Kiemen zieren nun jedes Jaguarmodell, beim XF ist die Integration in die Flanke gut gelungen. Die  Katze am Kofferraumdeckel lässt dafür keine Zweifel über die Herkunft des XF als Abkömmling des englischen Herstellers aufkommen.
Aber steigen sie doch mal ein, die breiten Türen laden dazu ein. Bequem ist der Einstieg in den XF und die Sessel laden zum Platznehmen gerade zu ein.  Sie vermissen die traditionelle Clubatmosphäre, die Jaguar bis zum XF verströmt hat? Vielleicht hat man zu viele englische Clubs leergeräumt und muss nun umsteigen? Nun sind die Designerhotels dran, zumindest macht der XF beim Interieur den Eindruck, dass man nun konsequent auf modernes Styling setzt. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach einiger Zeit ein Ambiente, das einfach den Wohlfühlfaktor 1 ausströmt.  Den Schlüssel können sie beim XF getrost in der Tasche lassen, er lässt sich öffnen sobald sie sich ihm nähern. Das Starten erfolgt dann über die in rot pulsierende Start-Stop Taste. Nach dem Druck auf selbige erwacht der Motor zum Leben, aber nicht nur der. Der Drehsteller für die Fahrstufen fährt aus seiner Versenkung empor und die Abdeckung der Lüftungsgitter gleitet zurück und gibt sie frei.  Ein netter Gag, nur verhindert er ein schnelles Losfahren. Die Becherhalter sind unter den Walnuss Applikationen der Mittelkonsole versteckt und werden auf Knopfdruck freigelegt. Einige Passungen sind da fernab der deutschen Akkuratesse. Nicht ganz so einfach ist die Spielerei mit einem Annäherungssensor zum Öffnen des Handschuhfachs. Mal funktioniert er, mal verweigert er den Dienst. Wie wir herausfanden, muss die Hand die sich ihm nähert schon auf „Temperatur“ sein, um ihn zur Arbeit zu bewegen, aber wer hat im Winter schon immer warme Hände. Gut, das sind Kleinigkeiten am Rande. Viele Funktionen werden über den Touchscreen im Armaturenbrett bedient, nur leider nicht die Funktion für ein Tagfahrlicht. Sollte bei einem neuen Fahrzeug doch mit an Bord sein. Den mittfahrenden Passagieren auf der Rückbank bietet man ein gutes Platzangebot und bequeme Sessel an. Mit 500 Liter Kofferraumvolumen wird hier genügend Platz für das Gepäck geboten.
Unser Testwagen ist ein XF 2.7d in der Premium Luxury Ausstattung, der serienmäßig über ein 320 Watt Klangsystem verfügt, das die Ohren verwöhnt. Für die sehr guten Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Abbiegelicht muss man noch 990.- Euro hinblättern. In Verbindung mit diesen gibt es auch noch die beheizbare Frontscheibe für 440.- Euro, die blitzschnell bei einer vereisten Frontscheibe für klaren Durchblick sorgt. Da wir gerade beim Durchblick sind, der kann nach hinten als „Rückblick“ mit einer Rückfahrkamera erbracht werden. Sie nimmt in Verbindung mit der Parkhilfe vorne, 820 Euro aus der Kasse. Das schnell und zuverlässig arbeitende Navigationssystem kostet 2060 Euro. Das Warnsystem „toter Winkel“ war bei unserem Testwagen nicht geordert.
Der akustisch im Hintergrund bleibende V6 Twinturbo Diesel mobilisiert 207 PS und stemmt 430 Nm auf die Kurbelwelle. Seine Kraft gibt der Motor, mittels eines schnell und sanft schaltenden Sechsgang- Automatikgetriebes, an die Hinterräder ab. Das Getriebe kann auch sequenziell über Lenkradpaddel geschalten werden. Den obligatorischen Spurt auf die 100 Km/h bringt der XF in 8,2 Sekunden hinter sich und zieht dann durch bis zur Höchstgeschwindigkeit von 229 Km/h. Moderater Umgang mit dem Treibstoff zählt dabei zu den Stärken des Selbstzünders, im Testverbrauch standen 9,4 Liter auf der Anzeige des Bordcomputers, die sich auch mit dem real gemessenen Verbrauch deckte.
Die Abstimmung des Jaguars ist eine gelungene Kombination. Sportlich aber dennoch komfortabel. Sportlichkeit beweist auch das ESP, das leichte Driftwinkel zu lässt und erst dann stabilisierend eingreift, wenn‘s wirklich gefährlich wird. Die Bremse war während des Testzeitraums ohne Fehl und Tadel, selbst harten Einsatz überstand sie ohne Fading. Sie ist gut dosierbar, lediglich so kurz vor dem Anhalten wünschte man sich etwas weniger Biss. Der XF fährt sich ausgesprochen geschmeidig und lange Strecken werden in ihm scheinbar kürzer.
So zurück zum „teuer“ unser Testwagen kostete unterm Strich 58.690 Euro. Vergleichen sie doch mal die Mitbewerber, die da sind Mercedes E-Klasse, Audi A6  und die 5er Reihe von BMW. Zur Verarbeitung des XF will mir auch nichts Negatives einfallen, er ist einfach sauber und liebevoll gebaut.
Also Vorurteile überdenken und mal beim Jaguar Händler vorbei kommen, zumal Jaguar auch noch 3 Jahre Garantie ohne Kilometergrenze anbietet.
HJE/am24.de


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